Musikalische Reise mit exotischem Kolorit

Konzert der Musikschule Ionescu präsentierte im Backnanger Bürgerhaus Kompositionen von Chatschaturjan, Haydn und Cimarosa

Ausdrucksstarkes Spiel: Anika Elser beim Konzert im Backnanger Bürgerhaus. Foto: E. Layher

BACKNANG (pm). Was tun, wenn der Sommer so richtig aufdreht? Ins Konzert zu gehen ist das Beste, etwa beim Konzert der Musikschule Ionescu im Backnanger Bürgerhaus: Das Publikum fand sich ein, die glühende Hitze blieb draußen, und im vollen Fritz-Schweizer-Saal breitete sich gespannte Vorfreude aus.

Unter dem Motto „Hand in Hand“ machte man sich auf eine packende Reise. Die sollte alles, nur nicht kaltblütig und fad sein. Viele einzelne Rädchen hatten zusammenarbeiten müssen – eben Hand in Hand.

Das Programm veranschaulichte es, das Hand-in-Hand nahm konkrete Gestalt an. Nicht nur durch das Klavierspielen, das von der Hand ausgeht, ein Hand-in-Hand, bei dem auch Geist, Vorstellungskraft, Einfühlungsvermögen, Bewegungsfertigkeit Hand und Fuß haben – greifbar wurde das Motto auch bei den handverlesenen Musikstücken, bei denen sich italienische Klassiker, sowjetische Vertreter des offiziellen realistischen Musikstils, deutsche Romantiker, französische Impressionisten und rumänische Zeitgenossen die Klinke in die Hand gaben.

Eine besondere Rolle war dabei Aram Chatschaturjan zugedacht, einem der größten sowjetischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, der seinen musikalischen Wurzeln stark verpflichtet ist. Die armenische, georgische und kaukasische Volksmusik verleiht seinen originellen Werken ein exotisches Kolorit. Wirkungsvoll die vielseitigen Kontrastelemente, der klangliche Reiz, der ausgeprägte Rhythmus, die starke Vitalität. Und trotz seiner großen Ballette und Konzerte, auch der aus seiner Hand stammenden armenischen Hymne, ist Chatschaturjan ein großer Unbekannter, dessen Musik vielen vertraut ist – ohne den dazugehörigen Namen.

An diesem Abend führte Chatschaturjan durch das Programm, er nahm die Zuschauer an die Hand und steuerte behände die verschiedenen Abschnitte an. Der in jungen Jahren komponierte Walzer „Valse-Caprice“, launisch pendelnd zwischen dramatischer Erzählung und launischem Tanz, mit unerwarteten Taktwechseln (ausdrucksstark gespielt von Annika Elser) war der Auftakt für die Handvoll Tänze.

Dann zankten sich Chatschaturjans komische Tanten (mit geschickter Hand ließ sie Yannik Waibel machen, mehr noch, er feuerte sie an) und rissen die Tür auf zur Klassik, wo zwei klar konturierte Themen miteinander agieren, auch mal einen gepflegten Streit austragen (stilsicher und lebendig Annika Elsers Haydn und Carola Bodensteins Cimarosa). Mit volkstümlichen Klängen führte Chatschaturjan zur Romantik (einfühlsam musizierte Ralf Groza Glières Präludium) und mit dem musikalischen Bild eines kleinen schaukelnden Leoparden zu den Klanggeschichten des Abends. Darunter die Anamnese der Krankheit der Puppe aus Tschaikowskis Kinderalbum, mit zarter Hand gespielt von Sarah Bodenstein, und der erfrischend kesse Shopping-Trip von Eduard Pütz, den Asja Begic und Fenena Schmidt mit entsprechenden Accessoires, Sonnenbrillen und Taschen, vorführten.

Dann läuteten die Abendglocken, und Debussys schwereloser, ruhiger Mond zog alle in seinen Bann. Mit zusammen-fließenden Farben und schwebenden Klängen ließ ihn Carolin Kühnert strahlen. Es lag auf der Hand, dass Chatschaturjan auch das letzte Wort haben würde. Es war ein gewaltiges. Dazu brauchte es dann auch mehr als nur zwei Hände, auch mehr als vier oder sechs, nein, sechzehn Hände nahmen sich den Walzer aus der „Masquerade“-Suite vor und setzten gemeinsam einen wahrlich unvergesslichen Schlusspunkt.